Wie steht es um die Zukunft der deutschen Krankenhäuser? 

Experten diskutierten in Berlin über Ursachen und Auswege aus der Klinikkrise 

München, den 20. Februar 2020. Liquiditätsprobleme, Insolvenzen und Schließungen –  zahlreiche Kliniken in Deutschland kämpfen aktuell ums Überleben. Diesen drängenden Problemen haben jetzt die Münchner Beratungsfirma WMC Healthcare und das Institut Arbeit und Technik (IAT) aus Gelsenkirchen eine gemeinsame Veranstaltung gewidmet: Auf dem Kongress zur Zukunft der deutschen Krankenhäuser diskutierten vergangene Woche in Berlin rund 200 Teilnehmer aus Kliniken in kommunaler, konfessioneller und privater Trägerschaft mit Kostenträgern und Finanzierungspartnern über Ursachen und mögliche Lösungen. Auch zahlreiche Vertreter der Politiker beteiligten sich am Dialog; darunter der Schleswig-Holsteinische Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg und der Bundestagsabgeordnete Dr. Roy Kühne als Mitglied des Gesundheitsausschusses. 

„Über Jahre sind die Länder ihren Investitionsverpflichtungen nicht nachgekommen“, macht WMC-Gründer und Mitveranstalter Dr. Reinhard Wichels deutlich. Mit knapp 3 Mrd. EUR jährlich sei nur rund die Hälfte der tatsächlich investierten Mittel übernommen worden. Die verbleibenden jährlich rund 3 Mrd. EUR hätten die Häuser selbst übernommen. „In den letzten 10 Jahren hat sich hier ein Berg von fast 30 Mrd. EUR aufgetürmt“, macht Wichels deutlich. „Davon haben die Träger rund 5 Mrd. EUR im Sinne von Zuschüssen übernommen, die restlichen 25 Mrd. EUR wurden zum kleineren Teil aus Gewinnen erwirtschaftet, zum größeren Teil aber mit Fremdkapital finanziert.“ Um Zinsen und Tilgungsverpflichtungen zu stemmen, 
sei je nach Kreditvolumen eine EBITDA-Marge von 4 bis 6 Prozent notwendig. „Die Gesetzgebungsinitiativen, insbesondere der letzten 3 Jahre, haben diese Marge angegriffen“, warnt Wichels. „Zahlreiche Häuser sind nicht mehr in der Lage, ihren über Jahre wachsenden finanziellen Verpflichtungen nachzukommen.“  

Auch der Sana-Vorstandsvorsitzende Thomas Lemke sieht erhebliche Probleme: „Die kurzfristige Sicherung der wirtschaftlichen Zukunft und der Liquidität verschlingen bei vielen Häusern im Moment immense Managementkapazitäten, die eigentlich für den Tagesbetrieb gebraucht werden, insbesondere da die wirtschaftlichen und auch operativen Folgen der jüngsten Gesetzgebungsinitiativen noch verarbeitet werden müssen.“ Prof. Jörg Debatin, Chairman des Health Innovation Hubs und Peter Vullinghs, Vorsitzender von Philips Healthcare DACH, sehen die Ergebnisschwäche zudem als Gefahr für die dringend notwendige digitale und technologische Erneuerung der deutschen Krankenhäuser. Gleichzeitig weisen beide darauf hin, dass die aktuelle Notlage auch eine Chance sei, die Krankenhauslandschaft in Deutschland neu aufzustellen. Und Prof. Josef Hilbert, Mitveranstalter und geschäftsführender Direktor des Instituts Arbeit und Technik (IAT), ergänzt: „Eine der größten Herausforderungen bei der Lösungssuche ist, dass Krisenunterstützungen nicht mit der Gießkanne, sondern Kriterien gestützt ausgezahlt zur Verfügung gestellt werden müssen. Und bei der Kriterienentwicklung spielt eine Hauptrolle, 
dass der Schub für Erneuerungen in der Krankenhausstruktur, wie in der inneren Verfassung der Häuser aufrechterhalten bleibt.“ 

In Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mögliche Lösungsansätze. „Nur wenn alle Partner im Gesundheitswesen jetzt an einem Strang ziehen, werden die Kliniken gestärkt aus dieser Situation hervorgehen“, sagt Wichels. Den Veranstaltern sei es wichtig gewesen, die Probleme deutlich zu benennen, aber vor allem konkrete Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. „Das ist uns gemeinsam gelungen. Daher werden wir diesen Prozess fortsetzen und die Veranstaltung zur Zukunft der Versorgungslandschaft auf jeden Fall fortsetzen.“ 

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Simone Hoffmann 
Strategische Unternehmenskommunikation im Gesundheitswesen 
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